ELEAGUE Major: Boston 2018 – Challengers Stage

Wie schon im letzten Jahr findet auch in 2018 das erste Major auf US-amerikanischem Boden statt. Bekanntermaßen unterteilt sich das prestigeträchtigste Turnier des Jahres in zwei Teile. Zum einen den Major Qualifier, der seit diesem Jahr Challengers Stage heißt sowie in die Gruppenphase mit anschließenden Playoffs. Auch hier gab es eine kleine Namensänderung, denn die Gruppenphase heißt nun Legends Stage und die Playoffs ab sofort Champions Stage.

Durch die zeitliche Trennung dieser drei Phasen bleibt aber genügend Zeit sich mit jeder ausgiebig zu beschäftigen. In diesem ersten Artikel zum ELEAGUE Major wird die Challengers Stage ins Visier genommen. Wie werden uns mit dem Format, den Teams vertraut machen und natürlich eine Vorhersage vornehmen.

Swiss System
Wie bereits in den beiden vorhergehenden Majors wird auch dieses mal das sogenannte Swiss System genutzt. Die Teams treten in Bo1 Matches gegeneinander an, mit drei Siege erreicht man die nächste Gruppenphase, mit drei Niederlagen muss man sich leider aus dem Turnier verabschieden. Wie jedes Format bringt auch dieses Vor- und Nachteile mit sich. Hauptkritikpunkt war das sogenannte Seeding, also die Grundlage auf der ausgewählt wird, gegen welchen Gegner man antreten muss.

Hier gilt es zu unterscheiden zwischen dem Seeding vor und dem während des Turniers. Im ersten Fall geht es um das Seeding anhand eines Turniers, welches vor sechs Monaten stattfand. Betrachtet man die Schnelllebigkeit der Szene und der Änderungen der Line-ups so ist es doch bedenkenswert, ob man auf eine solch “veraltete” Grundlagen zurückgreifen möchte.
Das zweite Seeding bezieht sich im Kern auf das Re-Seeding nach dem ersten Match des Swiss System. Mit einem Re-Seeding möchte man grundsätzlich verhindern, dass der #1 Seed und #2 Seed im zweiten Match aufeinandertreffen können, sollten beide das erste Match verlieren. Ohne erneutes Seeding werden alle Verlierer (und Gewinner) des ersten Matches gleich behandelt.

Ob man nun Freund oder Gegner einer bestimmten Vorgehensweise ist, hängt oft von subjektiven Faktoren ab. Es lassen sich für beide Ansichten Vor- und Nachteile finden. Persönlich finde ich es aber nicht dramatisch, dass kein Re-Seeding erfolgt. Ich mache dies an mehreren Punkten fest.

– Erstens spielt man mindestes drei Maps (max. fünf), dass man als einer der oberen Seeds ausschließlich gegen andere Top-Teams spielt ist sehr unwahrscheinlich. Die besten Teams sollten also auch in diesem Format die besten Chancen haben sich für die nächsten Runde zu qualifizieren.

– Zweitens bin ich ein Freund davon, dass bereits an den ersten beiden Tagen “spannende” Matches stattfinden. Sollte man immer den größtmöglichen Unterschied zwischen den Teams einer Gruppen haben, erhält man im Mittel auch einseitigere Spiele. Darunter leidet zwar die Integrität des Turniers, was ich aber bereit bin gegen einen höheren Unterhaltungswert einzutauschen.

– Drittens sind Upsets auch mit perfektem Seeding vorprogrammiert. Warum? Im Kern sind es hier zwei Punkte, die zu Niederlagen der favorisierten Teams führen können. Ausschlaggebend ist der Bo1 Modus. Dieser sorgt dafür, dass sich beide Teams auf einer Map treffen, die beide “spielen können”. Ein Punkt der den Underdog eher begünstigt. Des Weiteren kommt schlicht und ergreifend die Varianz mit ins Spiel. Bestes Beispiel wäre hierfür das FaZe Line-up des letzten Major, dass als Favorit auf dem kompletten Turniersieg gehandelt wurde, aber sang- und klanglos mit drei Niederlagen aus der Gruppenphase ausschied.

Es ließen sich noch weitere Punkte für und gegen das Seeding finden, auf die ich an dieser Stelle aber nicht eingehen möchte. Man muss den Turnierveranstaltern aber zu Gute halten, dass sie nicht an einem der Schrauben gedreht haben, ohne die andere ebenfalls zu ändern. Denn Re-Seeding macht nur dann Sinn, wenn auch die ursprünglichen Seeds auf dem aktuellesten Stand der Dinge sind.

Teams
In der Challengers Stage finden sich zum einen die acht Teams wieder, die in der Gruppenphase des letzten Major ausschieden. Namentlich sind das Cloud9, FlipSid3 Tactics, G2 Esports, Natus Vincere, mousesports, Sprout (ehemals PENTA Sports), FaZe Clan und Vega Squadron.

Dazu gesellen sich die Erst- und Zweitplatzierten der Minor Championships der Regionen NA, Asia, CIS und Europe. Die sind Team Liquid (NA), Misfits (NA), Renegades (Asia) und Flash Gaming (Ersatz für Tyloo), AVANGAR (CIS), Quantum Bellator Fire (CIS), Space Soldiers (EU) und Team EnvyUs (EU).

In den ersten Machtes der Challenger States treffen stets ein Team aus jedem der beiden Lager aufeinander, ab dem zweiten Match spielt dann nur noch das Ergebnis der ersten Partie eine Rolle.

Vorhersage
Diese sechzehn Teams werden uns von diesem Freitag an mächtig einheizen und versuchen die Legends Stage zu erreichen. Ehrlicherweise müssen wir aber bereits an dieser Stelle bei einigen Teams die Tauglichkeit für ein Major in Frage stellen. Andere Teams sollten dagegen ohne größere Probleme den Weg in die zweite Gruppenphase antreten. Wer das Feld der letzten 16 schlußendlich komplettiert werden wir am Wochenende sehen, hier meine Prediction.

Die geringsten Chancen gebe ich den CIS Teams, die sich über das Minor Championship qualifiziert haben. Weder AVANGAR noch Quantum Bellator Fire traue ich mehr als eine Map in dieser Gruppenphase zu, neben Turnierfavoriten befinden sich genug Top20 Teams in dieser Gruppe damit man nicht mit allzu viel Gegenwehr aus Osteuropa rechnen darf. Daneben sollte auch Flash Gaming einige Schwierigkeiten haben sich in dieser Gruppe zu behaupten. Die Gruppenphase sicher überstehen werden wohl FaZe, Na’Vi, G2 und Cloud9. Diese vier Teams haben über die letzten Monate gezeigt, dass Sie zu den besten Teams der Welt gehören oder zumindest Chancen auf eine Halbfinal- oder Finalteilnahme haben. Hier sind die Außnahmetalente von NiKo, s1mple oder kennyS noch nicht einmal eingerechnet.

Ein Weiterkommen ist ebenfalls Mousesports, Space Soldiers, FlipSid3 Tactics und Renegades und zuzutrauen. Die Mäuse kommen von einem sehr starken zweiten Platz bei der ECS, ebenfalls durchaus gute Chancen auf ein Weiterkommen sehe ich bei den Mannen von Space Soldiers, on- wie offline konnte das Team um XANTARES überzeugen. Gleiches lässt sich zu den Renegades sagen, die sich aus Ozeanien heraus für viele größere LANs qualifiziert haben und mitterlweile einiges an Erfahrung vorweisen können. F3 hat zwar durch den Weggang von electronic ein gutes Stück an Feuerkraft verloren, durch einen erfahrenden Mann wie seized liegt ein Weiterkommen dennoch im Rahmen des Möglichen. Team Liquid würde sich unter normalen Umständen ebenfalls in dieser Kategorie befinden, durch das fehlen von steel und zews als Stand-in wird es aber wohl schwer für den amerikanische Squad.

Maximal Außenseiterchancen rechne ich den Teams von Vega, EnvyUs, Misfits und Sprout zu. Wobei von diesen vier Teams die französischen Vertreter von EnvyUs noch die besten Chancen haben sollten.

Wer kommt weiter?: FaZe – Na’Vi – G2 – Cloud9 – EnvyUs – Mousesports – Renegades – FlipSid3 Tactics
Wer fährt nach Hause?: AVANGAR – Quantum Bellator Fire – Flash Gaming – Sprout – Vega Squadron – Space Soldiers – Team Liquid – Misfits

Ab Freitag, den 12.01. heißt es dann Daumen drücken, durch die Zeitverschiebung starten die Partien am Vorabend.

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