Chinesische Geldverschwendung

Disclaimer: Bevor jemand die Überschrift falsch versteht oder mir gleich aus dem ganzen Artikel einen Strick drehen möchte, hier ein paar Dinge vorab. Ich habe so ziemlich keinen blassen Schimmer, was in die Produktion eines eSport-Events so alles einfließt. Ich kenne die KPIs nicht nach denen Sponsoren entscheiden, ob das Event ein Erfolg war oder nicht. Ich weiß nicht welche welchen Stellenwert reines Branding für eine Turnierveranstalter hat. Und es wäre vermessen zu glauben, dass ich verstehen würde, wann es sich wo lohnt ein bestimmtes Turnier zu veranstalten. Was ich aber sagen kann ist, welchen subjektiven Eindruck ein Turnier auf den typischen europäischen oder amerikanischen Zuschauer so hat.

Wer den Wink mit dem Zaunpfahl noch nicht verstanden haben sollte, es geht “natürlich” um die IEM Shanghai die heute begonnen hat. Nach den IEM World Championship zu Beginn des Jahres und dem Zwischenstopp in Sydney im Mai, ist es das dritte Event der mittlerweile dreizehnten Saison der legendären Turnierserie. Uns präsentiert sich ein Turnier mit einem Preisgeld von einer Viertel Million Dollar, ist doch nicht das schlechteste, oder? Korrekt. Mit SPUNJ und Sadokist hat man auch mindestens ein Top-Casterduo vor Ort und mit Vendetta und Pimp auch bekannte Analysten am Desk. Auch korrekt. Double-Elim-Bracket und nur das erste Spiel ein Bo1. Auch top! Was gibt es also zu meckern? Ganz einfach, die Teams sind mies.

Tier-2 Teams
Eine Veranstaltung auf der sich NRG, Hellraisers und Gambit darum streiten dürfen wer nun als Favorit auf den Titel gehandelt wird und dafür dann auch noch $ 125.000 kasierem soll, hat ein ernsthaftes Problem. Dabei freue ich mich natürlich insgeheim schon ein bisschen für die kleineren Teams, für die es auch endlich mal Zahltag heißt. Der Punkt ist schlicht und ergreifend, dass man mit einem solchen Preisgeld schon in der ersten Liga der CS:GO Events mitspielt und auch gutes Entertainment liefern muss. Verlgeich gefällig? Die ESL Belo Horizonte hatte mit FAZE, mouz, Team Liquid und SK Gaming vier Top10 Teams im Line-up, bei einem Preisgeld von “nur” $200.000. Die DreamHack Marseille hatte im April das absolute Who is-who der Szene vertreten – und das bei einem Preisgeld von $250.000. In China konnten sich heute Tyloo und NRG jeweils den ersten Platz der Gruppe sichern, indem sie B.O.O.T. bzw. HellRaisers schlagen konnten.

Für mich stimmen in diesem Zusammenhang einfach die Verhältnisse nicht. Eine weitere Besonderheit ist an dieser Stelle der Veranstalter. Von etwas zwielichtigen Turnierserien wie der WESG sind wir es ja schon gewohnt, dass in Asien mit viel Geld um sich geworfen wird. Das eine ESL aber ein solch hohes Preisgeld für dien Tier-2 Turnier ausgibt, ist aber dann doch etwas verwunderlich. Eine Verteilung wie bei den Stops der DreamHack Open mit insgesamt $100.000 und der Hälfte dessen für den ersten Platz, hätte es sicher auch getan. Natürlich ist die ESL und somit auch die IEM schon seit vielen Jahren in Asien unterwegs und Shenzhen, Shanghai, Taipei und Guangzhou sind dem gewillten eSport-Fan nicht zuletzt durch die Unterstützung des Prozessorherstellers bekannt gemacht worden.

Welche Teams dürfen denn mitspielen?
Der treffende Punkt ist hier in der Tat “dürfen”, denn alle fünf Teams, denen man eine Finalteilnahme zutrauen würde, sind nach Shanghai eingeladen worden. Lediglich 5Power Gaming, B.O.O.T. und Grayhound Gaming konnten sich über die drei Qualifier für das Event qualifizieren. Bevor der Artikel noch zu einem richtigen Rant ausufert, überlassen wir die geschäftlichen Entscheidungen anderen Köpfen und hoffen, dass die teilnehmenden Teams den Chinesen vor Ort eine tolle Show zeigen. Der Rest von uns wird sich ja wohl eher nicht nachts bzw. frühmorgens aus dem Bett quälen um 5Power Gaming vs. Virtus.pro zu sehen. Zum Glück kann man auf HLTV und readmore nachlesen, wie die Matches ausgegangen sind. Danke dafür!

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1 Antwort

  1. 11/08/2018

    […] Ende August wieder weiter geht. Abgesehen von einer kürzlich beendeten IEM Shanghai, der man aus genannten Gründen keine weitere Aufmerksamkeit schenken musste, gibt es kaum ein Wort zur Coverage von Events zu […]

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