WCS Fall 2019 – oder der Kampf um die Global Finals

Ach wie schön könnte es doch sein Serral, Reynor oder Neeb zu heißen. Dann könnte man in der kommenden Woche ganz entspannt nach Montreal reisen, mit dem beruhigenden Gefühl im Rücken sowohl für die Ro32 – und noch viel wichtiger bereits für die WCS Global Finals im November qualifiziert zu sein. Stattdessen fahren fliegen die meisten Pros in der nächsten Woche mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend nach Kanada, dass der Lohn der harten Arbeit mit einem verpatzten Bo3 vorbei sein kann.

Ausgangslage

Auch wenn theoretisch immer noch jeder Spiel der sich für das Open Bracket in Kanada anmeldet die Chance hat sich für die WCS Global Finals zu qualifizieren, so ist es doch im Grunde nur für eine Handvoll Spieler wirklich realistisch. Wie bereits erwähnt haben die beiden europäischen Zergs Reynor und Serral ihr Ticket bereits gelöst. Jeder von ihnen konnte jeweils ein WCS Event für sich entscheiden und sich somit direkt qualifizieren. Der amerikanische Protoss Neeb hingegen, hat einfach bereits so viele WCS Punkte gesammelt, dass er zwar noch von seinem dritten Platz geschubst, aber nicht mehr aus der Top8 vertrieben werden kann.

Alle anderen Kontrahenten müssen noch ein paar Punkte sammeln oder mindestens auf die ein oder andere Niederlage hoffen.

Top 8

Auf den Plätzen 4 bis 8 stehen derzeit in abnehmender Reihenfolge: SpeCial, TIME, HeRoMaRinE, ShoWTimE und Elazer. Hinter diesen acht Spielern gibt es dann bereits punktetechnisch eine kleinere Lücke, denn die Neuntplatzierte Scarlett hat einen Rückstand von immerhin 230 Punkten auf Elazer. Nachdem am vergangenen Wochenende die Qualifier für das Turnier ihr Ende nahmen, zeigte sich erneut, dass die Namen an der Spitze der Liste nicht umsonst dort stehen. Denn die sechs führenden Spieler der WCS Rangliste konnten sich direkt für die Ro32 qualifizieren. Nimmt man die Qualität dieser Spieler als Gradmesser, muss lediglich eins der ersten drei Bo3s gewonnen werden um 100 WCS Punkte einzusacken, bzw. zwei von drei Bo3s gewonnen werden, um sogar bereits um 300 WCS Punkte reicher zu sein – und somit gleichzeitig relativ wahrscheinlich das Ticket für die Global Finals zu lösen.

Neben den drei oben genannten Spielern sind auch SpeCial, TIME und HeRoMaRinE so gut wie sicher für die Finals qualifiziert. Denn selbst der deutsche Terraner (#6) hat bereits 550 Punkte Vorsprung und ist fast nicht mehr aus den Top8 zu verdrängen. Bei TIME (#5) sind es derzeit 735 Punkte und bei SpeCial (#4) sogar 1095 Punkte – wie der freundliche Mexikaner rechnerisch noch aus den Top8 fallen sollte, übersteigt meine mathematischen Kenntnisse.

Best of the rest

Zwei interessante Sonderfälle haben wir aber mit ShoWTimE und Elazer, denn als einzige Spieler aus den Top11 konnten sich die beiden Europäer nicht direkt für die Gruppenphase 3 qualifizieren und müssen sich wie der restliche Pöbel durch das Open Bracket kämpfen. Zwar haben die beiden 230 respektive 455 Punkte Vorsprung auf Scarlett, doch ein Ausscheiden in der Ro32 oder gar früher könnte das späte Scheitern bedeuten. Dass einer dieser beiden Herren die Gruppenphase #1 und #2 nicht schaffen sollte, ist bei der aktuellen Form aber eher unwahrscheinlich. Der polnische Zerg gehört derzeit zum besten was Europa zu bieten hat und war im kürzlich beendeten GSL vs. The World gar bis ins Finale eingezogen. ShoWTimEs Ausflug nach Korea war hingegen weniger von Erfolg geprägt, da er keinen Sieg einfahren und insgesamt auch nur zwei Maps gewinnen konnte. Wenn wir von einer konservativen Leistung der beiden ausgehen (Ausscheiden in der Ro32) hieße das trotz allem 100 WCS Punkte und eine noch größere Hürde für die Kontrahenten. Eine kleine Besonderheit ergibt sich aber trotzdem noch, denn in gewißer Weise streiten sich die beiden um die rote Laterne der Top8 – und eine einmalige Performance von einem Spieler außerhalb der aktuellen Top8 ist im Einzelfall zwar schwer vorherzusagen, in der Masse hingegen nicht ganz utopisch.

Die Verfolger

Wie es für solche Formate üblich ist, werden die Chancen von Platz zu Platz rapide schlechter, dies liegt aus meiner Sicht hauptsächlich an drei Punkten. Erstens: Die Anzahl der Kontrahenten, die schlechter abschneiden müssen als man selbst, wächst von Rang zu Rang. Zweitens die Leistung, die man selbst abrufen muss um das Punktedefizit einzuholen wird immer größer und drittens. Die relative Leistungsfähigkeit nimmt nach unten hin ab – soll heißen: Je weiter unten ein Spieler in der Rangliste steht, desto schlechter waren seine bisherigen Leistungen und desto unwahrscheinlicher ist ein überdurchschnittlich gutes Abschneiden.

Scarlett (#9 – 1930 WCS Punkte)

Die besten Chancen der Verfolger darf man Scarlett zurechnen, nicht nur das sie aktuell auf #9 steht, auch ist Sie direkt für die Ro32 qualifiziert. Die kanadische Zerg-Spielerin hatte eine verhältnismäßig erfolgreiche WCS Summer und durfte als Teilnehmer des Viertelfinals zumindest noch 300 WCS Punkte mit nach Hause nehmen. Die letzte Teilnahme in der GSL war hingegen weniger positiv, da sie mit Niederlagen gegen Hurricane und Cure den Einzug in die Ro16 klar verpasste. Das heißt zusammengefasst, sofern Elazer nicht vor der Ro32 ausscheidet, würde das Erreichen der Top16 nicht für die Qualifikation für die Global Finals berechtigen. Die Top8 muss es also schon sein.

PtitDrogo (#10 – 1635 WCS Punkte)

Ein relativ unspektakuläres Jahr hatte der französische Protoss, bestes Ergebnis war der Einzug ins Halbfinale der WCS Winter EU Anfang des Jahres. Der Rest des Jahres war mit diversen Niederlagen in der Ro16 gekennzeichnet (WESG, WCS Spring, WCS Summer, ASUS ROG). Teilweise waren mit Lambo, goblin und Neeb aber Gegner mit dabei, die man durchaus hätte bezwingen können. Ein Einzug ins Viertelfinale dieser WCS ist für den Gewinner der Dreamhack Leipzig 2016 durchaus im Bereich des Möglichen.

MaSa (#11 – 1445 WCS Punkte)

Der letzte – zumindest auf dem Papier – aussichtsreiche Verfolger auf eine Qualifikation ist der kanadische Terraner MaSa. Ein knapper Sieg im NA Qualfier gegen Epic sorgten für durchaus Begeisterung und die gleichzeitige Qualifikation für die Ro32. Außer einem Halbfinaleinzug der WCS Winter NA zu Beginn des Jahres kam aber nicht viel zusammen, weswegen ein Top16 Platzierungen schon ein großer Erfolg für den Kanadier wäre. Für die Global Finales würde dies aber dennoch nicht reichen.

Der Spieler auf dem nachfolgenden Platz (Lambo – #12 – 1375 Punkte) bräuchte schon ein mittelschweres Wunder (inkl. einer eigenen Halbfinalteilnahme), um noch von den Global Finals träumen zu können. Alle anderen Spieler bräuchten entweder einen Finaleinzug oder gleich den Gesamtsieg um sich noch qualifizieren zu dürfen – ehrlicherweise ist dies fast ein Ding der Unmöglichkeit mit Serral, Reynor, Neeb, Special, Time und HeRoMaRinE im Bracket.

Und wer macht’s nun?

Ich will ja ungern eine Spaßbremse sein, aber aus meiner Sicht befinden sich die acht nicht-koreanischen Teilnehmer an den Global Finals bereits in den aktuellen Top10. Scarlett und PtitDrogo überzeugten mich aber nicht so sehr, dass ich Elazer oder gar ShoWTimE in ernsthafter Gefahr sehe. PtitDrogo hat durch die solide Qualifikation über das EU Bracket noch die besten Chancen. Meine Vorhersage: Wir fahren mit den jetzigen Top8 auch nach Anaheim!

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1 Antwort

  1. 10/09/2019

    […] Neben der Galavorstellung ging es in Montreal aber auch noch um wichtige Punkte für die Qualifikation zu den Global Finals im November, ich hatte ja bereits vor dem Start des Turniers in aller Ausführlichkeit berichtet. […]

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