Norwegisches Gedankenspiel

Die Idee für diesen Beitrag ist mir eher zufällig gekommen. Am gestrigen Sonntagnachmittag habe ich etwas Zeit totgeschlagen und mir StarCraft Sundays #5 angesehen – eine von Wardi und TakeTV produzierte “Liga”. Dabei werden mehrere kleinere Einzelturniere ausgespielt und enden in einem netten, kleinen Saisonfinale. Das Preisgeld ist überschaubar, das Interesse der Community ebenfalls. Ein klassisches Online-Turnier eben. Das Turnier war jetzt nicht mit den allergrößten Namen besetzt, sei dies nun durch das Ende der diesjährigen WCS Saison (und der damit einhergehenden kleinen Pause für einen Großteil der Spieler) oder durch einen anderen Grund verursacht.

Als ich einschaltete, lief gerade das Viertelfinale zwischen Snute und Gerald. PvZ ist jetzt für mich nicht das höchste der Gefühle und in den Anfangsphasen der Spiele klicke ich mich gerne mal durch Liquipedia-Artikel der Spieler und informiere mich über Clanwechsel, Preisgelder und Turniererfolge der letzten Monate. So auch gestern und da war ich doch etwas überrascht, wie viel Preisgeld der nette Norweger bisher in seiner Karriere einstreichen konnte. Mit knapp $380.000 gehört er zu den Top3 der Non-Koreans (vor ihm stehen nur Neeb und Serral). Richtig interessant wurde es aber erst am Ende der Artikels.

Denn die Anzahl von silbernen oder bronzenen Kästchen in der Auflistung der Erfolge in Premier Tournaments, war doch sehr überraschend. Denn unter den 14 Einträgen befinden sich lediglich zwei Turniere die er gewinnen konnte (HomeStory Cup VI & WCS Copa Intercontinental). Ergo scheiterte er bei den anderen Turnieren – sechs mal im Finale und sechs mal in Halbfinale.

Zwei Siege, sechs Finalteilnahmen, sechs mal Halbfinale. Das ist die stolze Bilanz des TeamLiquid Zerg “Snute”

Da ich mich gerne Gedankenspielen widme, wollen wir doch mal schauen, was “theoretisch” möglich gewesen wäre. Wir schauen uns dazu die zwölf Turniere an und versuchen zu evaluieren ob es realistische Chancen gegeben hätte, das ein oder andere Turnier zu gewinnen oder mindestens das Finale zu erreichen. Am Ende jedes Turnier-Rückblicks addiere ich dann den möglichen Mehrgewinn zusammen.

HomeStory Cup VII

Trotz des Sieges bei der vorangegangenen Ausgabe, war Snute zum HSC VII keineswegs Favorit in Krefeld. Grund dafür waren eine Vielzahl von Koreaner, die den Weg nach Deutschland angetreten hatten. Darunter auch Teaja, der mit seiner ersten Teilnahme das Fundament für den kommenden “Reign of Terror” legte. Das Finale endete knapp mit 3:4 gegen Snute. Ein Sieg auf der letzten Map hätte Snute weitere $3.500 eingebracht. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $3.500 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $3.500

World E-sport Championships 2014

War Snute im Upper Bracket Finale gegen Jaedong noch mit 2:0 als Sieger vom Server gegangen, so ging das Finale dann knapp verloren. Auch wenn 4:1 sehr deutlich aussieht, ging es auch in dieser Partie bis in die letzte Map. Denn Jaedong – aus dem Lower Bracket kommend – musste zwei Bo3s gewinnen, Snute lediglich nur eins. Das erste Bo3 des Finales ging zügig an den Koreaner, Bo3 ging bis auf die letzte Map (Catallena), die beide im Turnierverlauf bereits einmal gegeneinander gewonnen hatten. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $11.340 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $14.840

2014 DreamHack Open: Moscow

Eine Woche nach den World E-sport Championships ging es für ihn nach Moskau, wo er an der DreamHack teilnahm. Hier war im Halbfinale gegen MMA Schluß (2:0). Selbiger konnte dann auch das Turnier für sich entscheiden. Hier gab es also keine Chancen auf “mehr”. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $14.840

HomeStory Cup XII

Ein perfektes Beispiel für “was hätte gewesen sein können”, zeigte sich bei einem weiteren HomeStory Cup. Bei dieser Ausgabe musste sich der norwegische Zerg einem recht unbekannten Franzosen namens FireCake geschlagen geben. Nach all den Jahren erinnert man sich zu FireCake eigentlich nur noch daran, dass er eins der längsten (oder das längste?) Matches der WCS-Geschichte spielte und seine Gegner mit Swarmhost-Play. Das Zweites mit dem Länge der Spiele zusammenhängt, verwundert nicht zur Weißglut brachte. Das Match in Krefeld endete 3:2 für den Franzosen, ein Sieg von Snute wäre im Rahmen des Möglichen gewesen, im Finale hätte er aber vermutlich ebenfalls gegen MMA verloren. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $4.000 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $18.840

2016 WCS Circuit: Winter Circuit Championship

Eine weitere Finalteilnahme, eine weiterer koreanischer Terraner der ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Polt war dieses mal der Name des Kontrahenten und trotz unseres spaßigen Rechenspiele, möchte ich hier auf einem möglichen Mehrgewinn verzichten. Polt hatte im Verlauf der Playoffs einige namhaften europäischen Zergs aus dem Koprulu-Sektor geschossen (Lambo, Nerchio, FireCake), so dass ein Sieg des Norwegers eher unwahrscheinlich war. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $18.840

Gold Series International 2016

Erstmalig im Finale eines großen Turniers musste er sich in Shanghai einem Europäer geschlagen geben und dies dann auch rech deutlich. 4:1 hieß es am Ende für Harstem. Der sympathische Holländer durfte sich über $8.000 mehr freuen, für Snute hieß es also abermals – nur Silber. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $18.840

2016 DreamHack Open: Austin

Bis zum Halbfinale der DreamHack im texanischen Austin überzeugte Herr Aasgaard erneut mit einer grandiosen Leistung. Dort war dann aber schnell gegen den Amerikaner Neeb Schluß. Map 1 konnte er sich zwar noch sichern, in das Finale gegen Hydra zog dann aber doch der Protoss ein. Ob mehr drin gewesen wäre, lässt sich ohne Blick auf die Spiele nicht mehr sagen. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $18.840

HomeStory Cup XIII

Wie schon bei der Gold Series International hieß der Endgegner erneut Harstem. Auch diese Turnier konnte der Holländer am Ende für sich entscheiden und wirklich davon überzeugen, dass 2016 #YearOfHarstem war. 3:0 ließ er unser “Versuchsobjekt” hinter sich und durfte sich im Finale Scarlett vorknöpfen. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $18.840

2016 DreamHack Open: Valencia

Die nächste Klatsche folgte in Valencia. Diesmal war es ein Terraner, der den Lauf des Norweger beendete. MarineLord hatte im Turnierverlauf bereits Bly und Stephano mit 3:0 rassiert. Gleiches geschah dann auch Snute. Umso erstaunlicher, denn im Finale gegen Nerchio (ebenfalls TvZ) konnte der Franzose dann keine einzige Map gewinnen. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $18.840

2017 WCS Valencia

Das ihm das spanische Städtchen liegt, bewies Snute ein Jahr später, als er in Game 7 des WCS-Stops stand und eine Map davon entfernt war den Titel in Valencia zu holen und gleichzeitig das Ticket für die Global Finals zu sichern. Die letzte Map war ziemlich teuer. $ 15.000 hätte der Sieg eingebracht! Sein Gegner damals: Elazer. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $15.000 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $33.840

2017 WCS Montreal

Wenige Monate später konnte er im Halbfinale zwar Revanche üben und Elazer 3:2 besiegen, leider war das Finale dann aber wieder eine klare Sache. Neeb gewann 4:0 und ließ keine Zweifel darüber aufkommen, wer der King im Ring ist. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $0 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $33.840

HomeStory Cup XVI

Das letzte große Turnier in dem er seither das Halbfinale erreichen konnte, fand wieder einmal in Krefeld statt. Die entspannte Atmosphäre scheint dem Norweger zu liegen, denn als einziger Foreigner schaffte er den Sprung in die Top4 und scheiterte am Ende knapp mit 3:2 an Solar. Zest hätte im Finale sowieso gewonnen, eine Finalteilnahme lag aber definitiv im Bereich des Möglichen. Möglicher Mehrgewinn (Turnier): $2.000 ; Möglicher Mehrgewinn (Gesamt): $35.840

Fazit

Mit etwa $ 35.000 wäre zwar nicht mehr das ganz große Geld zusammen gekommen, doch hätten der ein oder andere Titel noch deutlicher gemacht, welchen Stellenwert Snute in der Rangliste der Foreigner tatsächlich inne hat. Fünf Jahre innerhalb der Spitze der Foreigner, unzählige Siege gegen Koreaner – in den Zeiten, wo dies noch eine Seltenheit war – und nicht zuletzt wäre er – nach aktuellem Stand – auf Platz 15 der Preisgeld-Rangliste gerutscht.

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