Flashpoint. B Site. Trainwreck.

Was waren das für desaströse erste Wochen für die hochgepriesene neue Counter-Strike Liga. Anfang des Jahres klang es noch, also ob die ESL Pro League einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekäme. Damals noch unter dem Codenamen “B Site” angekündigt, sah einiges dannach aus, als könnte der ECS Stiefsohn für ordentlich Wirbel sorgen. Gute zwei Monate später ist der Zauber verflogen und viele der Vorschusslorbeeren haben sich nicht bewahrheitet. Aber langsam, wie ging das Ganze wieder los?

Alles neu macht B Site

Mitte Januar gab es die ersten Spekulationen darüber, wie der Nachfolger der ECS aussehen könnte. Zwölf Teams sollten an der Liga teilnehmen und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten integraler Teil von Liga zu werden und somit an den Einnahmen zu partizipieren – ein System ähnlich der amerikanischen NBA. Wichtiges Detail, jede teilnehmende Organisation hatte sich mit 2 Mio. Dollar einzukaufen. Sicher kein Pappenstiel im Vergleich zu den Budgets der Teams in der zweiten und dritten Reihe, langfristig aber durchaus eine lukrative Aussicht.

Als erstes wurden die Teams von Cloud 9, Mibr, Gen.G, Dignitas und MAD Lions mit der neuen Liga in Verbindung gebracht. Durchaus finanzstarke Organisationen – teils mit maßig Historie in Counter-Strike, gleichzeitig aber kein echtes Topteam. Zum damaligen Stand der Dinge, war aber noch nicht klar, ob sich einige der großen Teams nicht doch noch von der ESL Pro League abwenden würden.

Finanzstarke Partner

Mit den Wochen zeigte sich, dass es trotz einem tollen Casting Line-up doch schwierig werden könnte zwölf zahlende Teams zu finden. Mit c0ntact konnte zwar zwischenzeitlich ein weiteres Gründungsmitglied gefunden werden, aber man kam nicht umhin, zwei der Slots über Qualifzierungsturniere zu füllen. Die Qualiturniere brachten darüber hinaus nicht nur kein Geld ein, sondern kosteten auch richtig Zaster. Einen gewissen Marketingaspekt konnte man diesem Warm-up aber sicherlich nicht absprechen. Gerade da in diesen Wochen kaum gutes Counter-Strike gespielt wurde, waren die Qualifier eine willkommene Abwechslung und hatten mit dem Team von Orgless durchaus interessante Storylines.

Anfang Februar ließ man die Hosen runter und präsentierte den finalen Namen und das Preisgeld für 2020. Flashpoint war geboren und insgesamt zwei Millionen Dollar sollten über die beiden Seasons in diesem Kalenderjahr ausgeschüttet werden. Preisgeld ist im Esport seit jeher eine wichtiger Indikator, wie ernst ein Turnier, Liga oder Event genommen wird (vor allem auch in der Community). Zwei Millionen Dollar sind hierbei eine beachtliche Summe, für die Teams und Organisationen aber weit weniger relevant, da man in Vorkasse gegangen war und der ROI vor allem über Werbemittel und Marketingaktivitäten erwartet wird. Auch hier ist also Langfristigkeit das Stichwort.

Weltweite Qualifier

In den kommenden Tagen wurden also internationale Qualifier ausgerufen und neben den 3×2 Teams aus den Regionen Europe, North America & South America sowie den beiden Invites BIG Clan und Copenhagen Flames, sollten die beiden Teilnehmer für die erste Saison gefunden werden. Nach dem LAN-Finale standen zwar Orgless und BIG als Gewinner fest, zum Ligaauftakt war dann aber nur noch Orgless mit von der Partie. Es dauerte bis zum 11. März bis es die Runde machte, dass sich BIG nun doch gegen eine Teilnahme an der Liga aussprach und sich deshalb beide Halbfinallteilnehmer HAVU und Chaos für das Hauptturnier “qualifizierten”. Ach ja, der Sechstplatzierte des Qualifier durfte sich gleich auch über eine Teilnahme freuen, da nur acht “Founder”-Organisationen gefunden werden konnten und die Slots ja schließlich irgendwie gefüllt werden mussten.

Zum Start der ersten Season hießen die acht Gründungsteams nun: Cloud 9, Mibr, Dignitas, Envy, c0ntact, FunPlus Phoenix, Gen.G und MAD Lions. Dazu kamen die vier Quali-Teams: HAVU, Chaos, Orgless und Copenhagen Flames. Zum Verleich sieht die aktuelle Teilnehmerliste der ESL Pro League so aus: Astralis, Na’Vi, mousesports, Vitality, Fnatic, Evil Genuises, Team Liquid, 100 Thieves, Faze. Oder auch einfach die Top 10 der Welt laut www.hltv.org.

Die Top10 der Welt spielt geschlossen in der ESL Pro League mit.

Qualität und Viewership

Was die Produktionsqualität angeht lässt die neue Liga nichts zu wünschen übrig. Gutes, schickes Studio. Das Who-is-who des Casting (Anders, moses, James Bardolph, ddk). Und auch die Analysten gehören zu dem Besten was die Szene zu bieten hat. Alles also, was ein guter Broadcast braucht. Schade nur, dass die Qualität der Spiele und Teams mit dem Rest nicht mithalten kann. Ein c0ntact gegen FunPlus Phoenix zieht eben doch bei weitem nicht so viele Zuschauer wie ein EG vs. TL oder ein mouz vs. Na’Vi. Und wenn sich die Zuschauer schon nicht so wirklich für die Teams interessieren, bleibt man auch nicht “zum Kuscheln danach” noch auf dem Stream um sich die, sicherlich witzige, Talkrunde anzusehen. Gerade wenn teilweise zeitgleich die EPL übertragen wird und der Casual Fan entscheiden muss, ob er lieber “Analyse & Banter” hat oder auf den anderen Stream wechselt und ein andere Spitzenpartie verfolgen kann.

Auch wenn von den Verantwortlichen immer wieder versucht wird die Zuschauerzahlen schön zu reden, so zeichnet sich doch eine klarer Gewinner am Ligahimmel ab. Am Ende des Tages zählen eben doch die großen Namen etwas mehr, als nur das Außenrum und die Inszenierung. Dies ist Chance und Risiko zu gleich, aktuell bietet Flashpoint aber eben keine oder nur marginale Vorteile gegenüber einer EPL. Wenn der ROI für die Teams langfristig ausbleibt, war der Name B Site in weiser Voraussicht gewählt und es wird bei der zweiten Geige bleiben. Bei dem tätigten Investment, den Spielergehältern, den ligainternen Strafzahlungen und der Marktsituation wird man sich das nicht ewig anschauen können.

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